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Gratis auf Soundcloud: TripleNine – Giftig (2007)

Als kleines Dankeschön für die grosse Resonanz auf unsere FCB-Titelhymne «Fünf» – und damit man TripleNine nicht nur wegen der Maischtertracks kennt – haben wir unser Debut-Album «Giftig» aus dem Jahr 2007 komplett ins Netz gestellt. Gratis, versteht sich. Danke für den Support und viel Spass! Das dritte TripleNine-Album ist übrigens in der Mache.

«Giftig» ist das Debut-Album der 2006 in Brandhärds Milieu-Studio gegründeten Basler Rap-Allstarcrew TripleNine. Gründungsmitglieder sind die Beatproduzenten Fierce (Brandhärd), SimonAyEm (auch Rapper) und DJ Johny Holiday (Brandhärd)sowie die Rapper Abart (Taktpakt), Fetch (Brandhärd), Jean Luc Saint Tropez (Stuuberocker), Thierrey (Freakanoid) und Zitral (Stuuberocker). Ebenfalls Teil der Crew ist Graffiti-Legende und Hausgrafiker Kron.

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Es gibt viele Gründe, als Rapper zurückzutreten – und noch mehr, es nicht zu tun

Rap wird langsam alt, Rapper sowieso. Das äussert sich etwa darin, dass die Künstler heutzutage nicht mehr stumm von der Bildfläche verschwinden und im Massengrab der verblichenen und erstarrten Rapper landen, nein, neuerdings tritt man offiziell zurück. So wie ein Bundesrat, ein CEO nach der Ölpest, oder ein schwangeres Porno-Starlet. Scheinbar hat man auch diese Mode von den Amerikanern – siehe Jay-Z – übernommen. Ist ja auch cool, noch ein letztes Mal auf den Putz zu hauen und dem Nachhall des (medialen) Paukenschlages zu lauschen.

Clever gemacht haben es die Kollegen von Wurzel 5. Die haben den Rücktritt gleich zum Konzept des finalen Albums «Letschti Rundi» gemacht und danach eine ausgiebige Ehrenrunde durch die Schweizer Konzertlokale genossen, welche die Jungs mit dem zwiespältigen Backstage-Ruf noch ein letztes Mal mit offenen Armen empfingen. Einem Sterbenden schlägt man ja schliesslich keinen Wunsch aus. Ähnlich liefs mit den Medien. Allerdings war die Aufmerksamkeit absolut gerechtfertigt, schliesslich gehören die Chlyklass-Rapper mitunter zum Besten, was Rap aus der Schweiz bisher geboren hat. Zu dieser Kategorie gehört auch Griot, – früher als Mory unterwegs, noch früher als Basketballer Fly. Im Gegensatz zu Wurzel 5 hatte es der Basler aber wesentlich schwerer, auf Anklang zu stossen, ja gar verstanden – beziehungsweise respektiert – zu werden. Das lag sicher auch an seiner provokanten, unverblümten Art und an dem strassen-affinen Auftreten. Als einer der Ersten in der Schweiz zeigte Griot, dass man auch hierzulande auf (meist) ansprechende Art mit Gangster-Inhalten liebäugeln kann – und nicht nur das.

Die Medien jedoch, die sich immer wieder fasziniert zeigten von dem Rapper, der (fast) der gesamten CH-Rapszene den Mittelfinger zeigte, diese Medien hätten ihn immer nur in die Gangster-Schublade gesteckt, sagt Griot gegenüber 20minuten. Dabei habe er schon immer auch persönliche und berührende Tracks veröffentlicht. Das stimmt absolut! Nur hat Griot zu seinem Bad-Boy-Image selbstverständlich stets aktiv beigetragen, schliesslich hat er als Rapper ja auch davon profitiert. Nur war es halt schwer in einer Schweiz auf Akzeptanz zu stossen, in der die Meisten kein ernsthaftes Leid erleben müssen und in der viele Leute die rauhen Strassentexte nicht (richtig) verstehen, weil sie nicht über das HipHop-Hintergrundwissen zur Entstehungsgeschichte dieser (ehemals) rebellischen Ghettosubkultur verfügen. Unter diesen Umständen geht natürlich unter, dass Rap schon immer bewusst provozierte, überspitzte und den Starken markierte. Vielleicht war Griot einfach zu un-schweizerisch, um hier akzeptiert zu werden. Da nützte es auch nicht mehr, auf dem neuen Album inmitten der (hässlich drapierten) Kantonswappen als Wilhelm Tell zu posieren und über «Mi Schwiz» zu rappen. Leider. Das Album «MiCH» ist nämlich grundsolid und hätte definitiv eine höhere Chart-Platzierung verdient als Platz 31. Immerhin hat der Basler mit dem Tell-Cover seinem Widersacher Bligg die Cover-Idee (vor)weggenommen (sagt man;).

Schlussendlich ist Griot aber auch an seinen eigenen (zu hohen?) Ansprüchen gescheitert: «Wenn das Album nid yyschloht, isch s mi letschts» rappt er auf dem grandiosen Song «50 Täkt», der seine Situation nach 15 Jahren Rap wohl am besten beschreibt. Das Album stieg nicht wie erhofft in die Top-20 ein, Konzerte blieben weitgehend aus, dazu kommt weiterhin der «fehlende Respekt» – also beendet Griot seine Rapkarriere. Ein mutiger und konsequenter Entscheid. Wieder ein Rapper, der die Musik liebt(e), aber am Musikbusiness zerbrach.

Gründe, als Rapper in der Schweiz zurückzutreten

Ich kann Griots Schritt nachvollziehen. Auch wenn ich nicht unbedingt damit kämpfe, missverstanden zu werden, gibt es doch genügend Gründe, die einem Schweizer Rapper die Freude und Euphorie an der Musik auf Dauer zerstören können: Es wird immer schwieriger ein Plattenlabel zu finden, denn mit der Musikindustrie gehts noch immer bachab. CDs verkaufen sich (trotz hoher Chart-Platzierungen) immer schlechter (so auch unser neustes Album «Blackbox») und die Labels konzentrieren sich auf einige wenige Künstler – zum Beispiel Stress oder Bligg – und pushen die dafür richtig. Das Nachsehen haben die Acts abseits des (medialen) Rampenlichts. Denn auch die zielgruppen-relevanten (Gratis-)Medien konzentrieren sich meist auf die wenigen von den Labels unterstützen Stars sowie auf einige – wie sie meinen – besonders originelle Exoten. Zum Beispiel Kutti MC oder Big Zis. Wobei letztere den Ruhm (z.B. den Swiss Music Award) und die Aufmerksamkeit mehr als verdient hat. Oder sie stecken Skandalbrüder wie Griot in die Gangster-Schublade.

Und wenn man – so wie wir – das Privileg eines Plattendeals geniessen darf, muss man lernen, mit immer weniger Geld immer bessere Musik zu machen. Ein externer Tontechiker wird zum Luxus, Videoclips dürfen nur noch einen Bruchteil der früheren Budgets kosten – Notabene, ohne an Qualität einzubüssen. Und die Konzert-Veranstalter, die überschwemmt werden mit Ami-Rap-Bookings (diese wollen ja auch die ausbleibenden CD-Einnahmen wett machen), haben keinen Bock mehr auf Schweizer Rap. Und den (Gratis-)Zeitungen genügt es nicht mehr, wenn eine Band eine gute CD abliefert. Nein, der Künstler muss dem Journalist (hat der diesen Namen so noch verdient?) eine pfannenfertige (Skandal-)Story abliefern, oft ohne direkten Bezug zur Musik. So läuft das heute. Meistens.

Gute Musik basiert zu grossen Teilen nicht nur auf Fleiss, Hartnäckigkeit (und ein bisschen Talent, das aber weit weniger wichtig ist für den Erfolg, als etwa das Image), sondern vor allem auch auf der Selbstausbeutung aller Beteiligter. Zu Beginn macht das einem noch gar nixx aus, die Euphorie überwiegt. Aber nach 14 Jahren Rap als inzwischen zweifacher Familienvater, der 110% arbeitet, siehts ein bisschen anders aus. Da will man sich in der knapp bemessenen Freizeit ausschliesslich um die Musik kümmern. Und nicht um Verträge, Bookings, Merchandise und sonstigen Bullshit. Doch irgendwer muss das ja erledigen. Also macht man auch dies – mehr schlecht als recht. Und obwohl man stets wüsste, wies besser geht, fehlt die Kapazität, das alles konsequent durchzuziehen – schliesslich will man ja auch im Moneyjob Karriere machen (Rapper sind ehrgeizig…wie auch das Beispiel Alex Frei zeigt;), weil man mit Musik in der Schweiz keine Familie durchfüttern kann (die Ausnahmen bestätigen die Regel;) Und trotzdem macht man diesen Scheiss weiter…Künstler müssen scheinbar leiden…

Gründe, als CH-Rapper NICHT zurückzutreten

Über die Musikindustrie und die Medien zu jammern gehört (wie man oben sieht;) zu den Lieblingsbeschäftigungen eines jeden Schweizer Musikers – könnte man meinen. Doch um ehrlich zu sein: Eigentlich braucht es heute, dank den Web 2.0-Multiplikatioren, weder Plattenfirma noch Zeitungen (und erst recht kein Musik-TV), um als Musiker seine Hörer zu finden. Mit einer gut bewirtschafteten Facebook-Fanpage – gekoppelt mit Twitter – können innerhalb kürzester Zeit mehr Menschen erreicht werden, als wir uns das früher (als man die 100 Demo-Tapes eigenhändig kopierte) je erträumt hatten. Auch für eine eigene Homepage müssen nicht mehr tausende Franken hingeblättert werden (wir machens trotzdem…Luxus), schliesslich gibt es ja kinderleicht zu bedienende Blogs sowie (das sterbende) MySpace oder Mx3. Mund-zu-Mund- bzw. Pinnwand-zu-Pinnwand Propaganda ist angesagt. Und in vielen Fällen scheint dies tatsächlich zu klappen – ich denke da an Künstler wie Asher Roth, Mac Miller oder Chiddy Bang uva., die wohl zuerst von Bloggern & Co. entdeckt wurden/werden, bevor sie (vorerst noch) in den Klauen der Plattenindustrie landen. Solange es solche Artists gibt, die in mir wieder (fast) die selbe Euphorie wie in Teenagerjahren wecken (es wird nie mehr das Gleiche sein…bittersüsses Erkenntnis) , solange werde ich selber Sound machen wollen. Man ist halt Fan geblieben. Auch in den unendlichen Weiten des Internets gibt es sie noch, die Perlen unter all dem Soundschrott. Man muss sie nur finden. Mehr Scheiss bedeutet immer auch: mehr Hochwertiges=)

Der Hauptgrund, nicht aufzuhören, hat jedoch weder mit dem Business, noch mit den Entwicklungen der letzten Jahre zu tun (ich finde es ohnehin erschreckend, dass ich fast nur von der ‚Industrie‘ und den Medien schreibe…schlussendlich geht es um Musik, damn). Der Hauptgrund könnte simpler nicht sein: ICH KANN NICHT ANDERS! Egal was passiert, egal wer mir zuhört, ich muss Texte schreiben und meine Gedanken in irgend einer Form zum Ausdruck bringen. Das Mitteilungsbedürfnis ist ungebrochen und ich wüsste nicht, wie ich diese Energie besser – und mit mehr Spass und Liebe zur Sache – bündeln könnte, als im Rap. So gehts wohl den meisten: Liebe für die Musik, Hass fürs Business. Steven Egal kann ein Liedchen davon singen.

Ein weiterer Hauptgrund: Die Fans. Ihr Feedback steht über jeglichen Medien-Kritiken und Erfolgen – beziehungsweise dieses Feedback ist der wirkliche Erfolg. Es berührt mich immer wieder aufs neue, wenn mir jemand sagt, dass meine Texte ihr oder ihm aus der Seele sprechen. Wenn jemand schildert, wie ein Brandhärd-Song hilft, einen Schicksalsschlag  zu verarbeiten. Oder wenn ein Härd-Song zum Feriensoundtrack eines ganzen Freundeskreises wird. Wow! Dies wird nie selbstverständlich sein für mich, dafür aber eine unerschöpfliche Energiequelle. Eng verbunden mit dem Fan-Aspekt ist der dritte Hauptgrund, mit Rap nicht aufzuhören: Die Konzerte…der direkte Draht zu all den Menschen, mit denen man sonst nur via Kopfhörer, Boxen oder allenfalls per Mail oder Facebook kommuniziert. Und klar…auch Ehrgeiz und die Suche, ja fast schon Sucht, nach Anerkennung spielen eine nicht unwesentliche Rolle.

Drum zurück zum Business-Teil: Heute kann sich jeder Teenager mit seinem Konfirmations-Geld bereits ausreichend Studio-Hard- (und vor allem Software) kaufen (lassen) um die ersten Songs in vernünftiger Qualität zu produzieren. Sofern das Knowhow vorhanden ist. Und das ist der springende Punkt: Wenn Promo und Produktion weniger Aufwand bedürfen, kann man sich wieder auf das Musikmachen konzentrieren. Denn ist die Musik nicht tight, nützt auch die hartnäckigste Online-Promo und die (sound-technisch) am besten produzierte Gratis-Download-CD nichts. It’s all about Skills! Kunst kommt von Können, wie mir DJ Mad (Beginner) einmal gesagt hat. Und bis man etwas wirklich kann, benötigt man mindestens 10’000 Übungsstunden, wie uns Malcolm Gladwell im Buch Outliers eindrücklich vor Augen hält (lesen!). Egal ob man Tennis-Profi werden will, oder Rapper. Dumm nur, dass sich die Meisten Rapper (oder was auch immer) bereits nach gefühlten 10 Übungsstunden im Web lächerlich machen (abwarten und später dafür um so heftiger Punkten, ist die Devise!). Web 2.0 ermöglicht, dass man als Musiker – erstmals seit der Erfindung von Tonträgern – auf die Industrie scheissen kann, um sich der Kultur zu widmen. Der Liebe zur Musik, der Freude an einem herzerwärmenden Beat oder einer gelungenen Textzeile. DAS ist für mich Grund genug, NICHT mit Musik aufzuhören. Auch wenn wir in den Medien künftig totgeschwiegen werden sollten und sich kein Konzertveranstalter mehr für Schweizer Rap interessiert.

Die letzten beiden Abschnitte sind vorerst wohl noch eher Theorie als Praxis (aber wehe, wenn…). Der Haken an der Sache ist derzeit noch Folgendes: Damit sich die Web-2.0-Revolution künftig auch endlich für den einzelnen Musiker auszahlt, müssten YouTube-, MySpace- oder Soundcloud-Plays sowie die Download-Zahlen abseits von iTunes bei der Ermittlung der Chart-Platzierungen miteinbezogen werden. So könnten auch Musiker ohne effektive CD-Verkäufe zum verdienten Ruhm kommen und via Konzerte und Fanartikel – vielleicht sogar durch Werbeverträge (heute gibts ja kein Sellout mehr;) – Geld verdienen. Das wäre das Ende der CD-Industrie. Momentan haben die meisten noch Angst davor. Vielleicht sollten wir uns aber darauf freuen. Wer weiss das schon. Mal sehen, wo uns der Schwarze Schwan hintreiben lässt…

PS: Sollte ich eines Tages das Mic – niemals aber den Stift! – an den Nagel hängen, würde ich dies übrigens entweder so ‚konsequent‘ machen wie Jay-Z, oder aber so wie Wurzel 5;)