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Neuer Brandhärd-Sound: 100 Bars Bandgschicht

Die Durststrecke ist zu Ende, doch der Hunger noch nicht gestillt! Mit «100 Bars Bandgschicht» rollen wir die Vergangenheit auf, um uns danach umso stärker auf die Zukunft zu konzentrieren – und die heisst: Brandhärd-Album Nr. 5! Der Song ist ein erster Preview zum Album «Zuckerbrot & Peitsche», das 11. September 2015 erscheint. Die Beat-Bombe hat Fierce gebastelt, der Rap kommt von irgend einem Dorftrottel aus Allschwil. Viel Spass damit!

Lyrics: 100 Bars Bandgschicht

Dasch kei Comeback – das isch e Bombe.
Blick nach vorne, bis jetzt no nütt verlore.
’97 gebore, 100 Bars Bandgschicht.
Hypes sinn überschätzt, (fuck) mir sinn unändlich.
Mit Biss wie nie und Hunger für Zäh.
Sunscht würds uns nümme gäh, kumm an unser Konzärt.
Rapper wärde Vätter und hänn d Eier verlore.
Aber ych bi dank dr Kleine zum Maischter gebore.
Näbesach – mir maches fascht e Läbe lang.
17 Joohr Hitz uffs Ohr: Das isch unser Wärdegang.
Luftschutzkäller Schönebuech – das sinn no Cyphers gsi!
Klar sinn mr scheisse gsi. Mitte in dr Nineties dinn.
Z’erscht e loose Huffe, hütt e Einzelkind.
Während ych am Mic gsi bi, hänn die eine kifft.
Y find Black Tiger King, denn dr Shape und dr Poet.
Wo uns exklusiv denn uf si Label gnooh hett.
Und das, nachdäm ych in si Wintergarte kotzt ha.
Teenager-Rotznase, Mochtegärn Rockstars.
WB Tal Records, dr Stofi unser Checker.
Brandalarm gitt langsam Fahrt, aber denn wirds no besser.
Zweituusig 02: noochedopple, Flächebrand.
«Dr Wäg isch s Ziel» e erschte Hit im Medieland.
Ei Joohr spöter, mir dängge uns nütt Böses,
kunnt Noochbrand – und alles wird no grösser.
Viva-Swizz-Ändlosschlaufe, plötzlich sinn mr überall.
Plötzlich wänn sie Autogramm, für uns isch das e Überfall.
Mir liebes, wäre niene ohni Sämi
Flückiger, du geile Siech, dir widme mr dä Grammy!
Du verdiensch mol e Oscar, wäge dir sinn mr Popstars.
Dini Videos riesegross und mir uff em Vormarsch.
Unterwäggs im ganze Land, Vorgruppe vo dr TAFS.
Plötzlich Hauptact – y glaub ächt, mir hänns gschafft.
Denn im Summer 04 an alli Openairs.
Hätte mr in däm Hoch doch e Album noochegleggt!
Aber mir sinn nonig ready, Studänte ohni Masterplan.
Noochbrand lauft – über 15’000 mol, verdammt!
Klar hänn mr Hater, mr hänns uns verdient.
Erkläre uns z viel drbyy wärs unser Bier.
Dr Sulaya will Strytt, ych ha Bock druff,
mach e tighte Diss-Track, kassier drfür e Kopfnuss.
2005 wärde wieder Zeiche gsetzt.
Grad no dr Hype umgsetzt, fucking heiss und fresh.
Charte Top 20, Platz 13 wenns mr rächt isch.
Was sicher nid schlächt isch, doch viel z wenig wägg gfickt.
Päch gsi! Schlussändlich sinn Charts nur für Promo guet.
S isch mr nid egal, verdammt y stoh derzue.
Doch mir brätsche lieber live und toure quert durch d Schwyz.
Ärnte all die Härze, es lauft in dere Zyt.
Backstage uff Titte tagge, Rap loht ys viel erläbe.
Publikum statt Studium, damit mir wieder Kinder wärde.
Grossi Momänt im Hübeli in Bärn.
Kitchen Club, Grabehalle – alli mache Lärm.
Vom Xtra ins Kiff bis ins Kaffi Mokka.
Bier uff dr Bühni, an dr Afterparty Vodka.
Remise, Holestei, mr legge Füür.
Flem, Galvanik – und nid z letscht in dr Schüür.
Und drheime denn eimol mehr die absolute Highlights.
Soca, Kasärne, y sag nur no Geilheit!
Heimspiel uff em Barfi vor 10’000 Nase.
Uf em Floss – im Rhy – bim Konzärt grad go bade.
Glücklich und dankbar, fucking verwöhnt.
Wenn d Kings in dr Stadt sinn, kömme Papis und Söhn,
Mamis und Myggeli, Studänte und Strosseköter.
Guns sinn jo cool, aber ych find fucking Roses schöner.
Und mir ritte die Wälle.
Alles lauft fascht vo elai, kai bisse und bälle.
No nie Stritt gha drwäge, und doch kunnts zum Eklat.
Dr Stofi gitt jetzt ab, kä Bock me uf die Rapsach.
So sinn mr syt em Summer 05 ohni feschte Booker.
Ei, zwei Versüech – doch das sinn die letschte Nutte.
Dasch die einzig Sach, wo mi wirklich troffe hett.
Sythär fehlt öpper, wo sich für uns opfered.
WB-Tal isch tot und TripleNine isch ko.
Jä so schnäll kas go – das wird wieder gross.
Es kunnt zämme, was zämme ghört, zämme, was zämme burnt.
1999 – die Klass wo jede Rapper hört.
2007 e einzige Triumphzug.
Drey Albe, bum, bum, sorge für Umschwung.
Das isch e riese Zyt.
Brandhärd, Mamoney, vo Kamerun ind Schwyz.
Denn s TripleNine Debut, damit alles gfickt isch.
Rap, aber richtig, respäktlos und giftig.
Nach TripleNine dr dritti Streich – rächt geil.
Freshe Rapscheiss, doch das Cover git Brächreiz.
Trotzdäm: Brandrenalin isch e Wucht!
Tracks wo stolz mache, kei Zyyle Fruscht.
Die erscht Platte als Vater, aber s Rappe blybt.
«Träne in dr Auge» dr beschti Track sowyt.
Vo dr Uni in Job, jetzt bin-y Journalischt.
Weniger Zyt für Sound, verdammte huere Mischt.
Ihr wüssed jo wies isch: Es bruucht e mol e Durschtstrecki.
Bis dr Hunger zrugg und dr Durscht gweckt isch.
Drzue e chlini Krise, über was söll-y no schryybe?
In mim Läbe gits nur Liebi, y ha kä Grund zum lyyde.
TripleNine isch perfäggt, s wird wieder alles wäggfiggt.
Ignorante Stumpfsinn mit em Album Dräggig.
100 Bars Bandgschicht? Y glaub dass das äng wird!
97 Zyyle, nei, 100 längt nid.
S isch dr 9.9.2009,
TripleNine zum zweite, Brandhärd in dr Schleife.
Immer no tighter als die meischte, Blackbox in dr Pipeline.
Back wie dr Wind, ych schwörs unter Meineid.
Mir schryybe 2010, unsri Schyybe uff em 11.
Wäge eim verkaufte Album verpasse mr d Top 10.
Es isch nid das wo zellt, doch die knacke mr no.
Mache Platte und Zoff solang mr Spass hänn wie Gott.
Aber eifacher wirds nid.
Trotz dr Form vo mim Läbe und dr zwei wo hinter mir sinn.
2014 – mir sinn ready.
Nach em Swiss-Avengers-Album kumm-y us dr Deckig.
Dr Härd isch in Stellig, brennt langsam wieder heftig.
Johny, Fierce und Fetch, Bitch, nämmed das zu Kenntnis.

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Tommy Vercetti vs. Knackeboul – Diss oder Diskussion?

Wann flogen im Schweizer Rap eigentlich zum letzten Mal so richtig die Fetzen? Momentan geht es jedenfalls ab. Und zwar zwischen Tommy Vercetti und Knackeboul, beziehungsweise – wie das bei solchen Sachen meistens der Fall ist – vor allem auch zwischen deren Anhängern, die sich jetzt lustvoll das Maul zerreissen (hier bzw. oben der Joiz-Beitrag zum Thema).

Dass Tommy Vercettis «Diss» so heiss diskutiert wird zeigt, welche Harmonie im Schweizer Rap zuvor herrschte. Und wie sehr sich Hörer und Medien offenbar nach Brot und Spielen sehnen. Meiner Meinung nach wird die Diskussion aber bereits wieder viel zu hysterisch geführt – wobei hier die beiden gut argumentierenden Protagonisten ausgenommen sind. Aber worum gehts eigentlich? Stein des Anstosses ist Tommy Vercettis «Holden Skit 3» auf dem grossartigen Album «Glanton Gang», das der Berner am Freitag mit seinem langjährigen Partner in Crime Dezmond Dez rausgehauen hat. Auch wenn allenthalben betont wird, man soll Vercettis Line gegen Knackeboul nicht aus dem Kontext reissen, wird grösstenteils genau dies getan. Aus diesem Grund hier vorab der gesamte Text des vieldiskutierten Songs:

Intro (Ausschnitt aus der SRF-TV-Serie «Cover Me»): Und ja, Rapper chönnd in dr Regel au nöd singe – aber suscht sinds würklich flotti.

Tommy Vercetti: I find «Cover me» dr gröscht Scheiss, au wenn mini Jungs hei mitgmacht.
Aber i ha numme Liebi, lueg, dir sid ja no chli gsi.
Zwoi Mal hei si aagfragt, zwoi Mal han i nei gseit.
Y bi Künschtler worde für nes Minimum Freiheit.
Mag nid Fründ sii mit Bünzlis und Deppe d Hand gäh,
wo üs ignorant hei belächelt im letschte Jahrzähnt.
U dr Knack dä Hueresohn macht üsi Arbeit zum ne Witz.
Verharmlosed alles i Kommentatore wien e Bitch.
Aui Widersprüch und Kämpf uf Sympathie reduziert.
Für üsi konservative Alte uf em Tablet serviert.
Lueg i liebe mini Eltere, respektier ihri Sicht doch
au sie si Chlibürger u hei vieles nid begriffe.
Es geit nid um real sii sondern um subversiv sii.
E Stimm vo de Strass z sii für die wo still sinn die ganz Ziit.
Gäge Ideologie z syy, Reflektion vo dr Klass z sii.
Übersetzig für Spastis, minimal relevant sii.
U offe sii für alles isch hütt absolut konform.
Und alles geit mit allem, die neoliberali Norm.
Drum: Wenn Kunscht wottsch mache, muesch di wehre.
U wenn e Sändig mit üs rede – süscht wirds nur e Scheiss…

Voilà. Als ich den Track vor rund zwei Wochen vorab auf der Fahrt zur Bounce-Cypher bei SRF Virus zum ersten Mal hörte, fragte ich mich grinsend, ob eine Polemik entbrennen wird. In der Cypher sind Tommy und Knäck sich dann – soweit ich das mitbekommen habe – ganz normal über den Weg gelaufen. Ich nehme an mit den üblichen Handshakes et cetera. Dass die Geschichte kurz darauf so abgeht, hätte ich nicht unbedingt gedacht.

Klasse statt Kasse: Tommy Vercetti.

Klasse statt Kasse: Tommy Vercetti.

Aber ich finds gut, dass gestritten wird. Die Diskussion ist wichtig. Ich verstehe den Song nicht in erster Linie als Diss gegen Knackeboul – erst recht nicht an ihm als Rapper – sondern als scharfe Kritik an TV-Halligalli-Formaten wie der SRF-Doku «Cover Me», in der das Schweizer Fernsehen eidgenössische Rapper mit Volks- und Schlagersängern verkuppelte. Das Problem bei solchen Formaten – und das ist die Kritik, die der «Holden Skit 3» mehr als deutlich macht – ist, dass den Rappern in solchen Shows jeweils mit klischeehaften «Yo! Yo!»-Floskeln sowie einem teilweise spöttischen Unterton begegnet wird (wie im Skit-Intro). Und dass die Künstler zu oft wie Vollpfosten behandelt werden (besonders ausgeprägt im deutschen Fernsehen).

So werden (meist) gestandene Rapper zu Clowns gemacht, vorgeführt und bloss gestellt. Ich kann nachvollziehen, dass Tommy Vercetti findet, dass dies dazu beiträgt, dass Schweizer Rapper nicht ernst genommen werden. Ich sehe das bis zu einem gewissen Punkt auch so. Mich erinnert die TV-Show-Präsentation von Rappern irgendwie an die amerikanischen Minstrel Shows des 19. Jahrhunderts:

«Minstrel-Shows zeigten in idealisierter Form den Weißen, die oft keine Schwarzen aus ihrem Alltag kannten, zahlreiche Stereotype von Schwarzen. Sie werden als ständig fröhliche, singende und naive Sklaven dargestellt, die ihre Besitzer trotz harter Arbeit lieben. Dabei wird eine romantisierende Vorstellung vom Alltag der Sklaven auf den Plantagen inszeniert. Viele Stereotype gingen auch in andere nationale Erzählungen und ins Liedgut ein.» (Quelle: Wikipedia)

Rassistischer Humor: Amerikanische Minstrel Show im 19. Jahrhundert.

Rassistischer Humor: Amerikanische Minstrel Show im 19. Jahrhundert.

Im Unterschied zu den Minstrel Shows machen sich im Rap die Protagonisten aber gleich selber zum Affen – sei es als lustig-sympathischer Mitmach-Clown in Fernsehshows oder als überharter, alle Klischees bedienender Gangster-Rapper in den entsprechenden Songs und Videos. Beide Extreme schaden der Szene insofern, als dass deren Zeichen von den 0815-Bünzis am anderen Ende der Leitung meistens komplett falsch verstanden und interpretiert werden. Nicht so in der Szene: Wenn ein Schweizer Rapper eingermassen strassenintelligent vom Leben auf der Gasse (oder in der Gosse) erzählt, kann jeder Mcee dies nachvollziehen und respektieren. Man ist sich Übertreibungen gewohnt – das nennt man künstlerische Freiheit.

Das von Tommy Vercetti gern zitierte subversive Element versteckt sich hier oft zwischen den Zeilen. Bei Tommy und Dezmond Dez hingegen kommt die Gesellschafts-, Kapitalismus- und Systemkritik direkt in die Fresse. Unmissverständlich und unverblümt. Das ist geil und überfällig. Knackeboul ist – als Rapper UND «Cover Me»-Moderator – sozusagen ein prominentes Bauernopfer, wobei Tommy Vercetti natürlich völlig bewusst gewesen sein dürfte, welche Polemik er mit seiner Knäck-Line auslöst. Und, zugegeben, das «Hurensohn» hätte es hier nicht wirklich gebraucht. Denn darauf – anstatt auf der berechtigten Kritik – reiten jetzt alle rum, auch wenn hier bei der Wortwahl vermutlich eher das Silbenbild eines im Rap geläufigen Schimpfworts eine Rolle gespielt haben dürfte. Und nicht Hass.

Knackeboul: Rapper, Beatboxer, Moderator, Multitalent. (Bild: Lukas Mäder)

Knackeboul: Rapper, Beatboxer, Moderator, Multitalent. (Bild: Lukas Mäder)

Ich will an dieser Stelle auch Knackeboul in Schutz nehmen – ein Ausnahmerapper, Beatboxer, Freestyle-Genie, TV-Moderator und generell in jeder Situation ein Entertainment-Multitalent, der mit seiner zappligen Heiterkeit und Offenheit zu einer Art Sven Epiney des Schweizer Rap geworden ist. Der Traum-Schwiegersohn, der Herr und Frau Schweizer bei «Giaccobo/Müller» oder von der Titelseite der Coop-Zeitung entgegenlacht. Respekt! Bei aller Skepsis bin ich letztlich froh, dass es einer aus unseren Reihen – und zwar einer der Talentiertesten – in diese Gefielde geschafft hat. Denn abgesehen von einigen beschämenden Yoyo-Klischee-Momenten, die ja meistens nicht vom Rapper aus kommen, können Leute wie Knackeboul in dieser Position auch einiges an Verständis – vielleicht sogar Akzeptanz und Respekt – für die Rapszene generieren.

Wobei Kunst, beziehungsweise Rap, in den Augen von Tommy Vercetti eine subversive Subkultur bleiben soll (sofern ich ihn richtig verstehe). Die Verbrüderung mit dem Mainstream ist unerwünscht wegen einer allfälligen Verwässerung und Verharmlosung. Vor allem aber auch wegen des Komplizentums mit der Klischee um Klischee (re)produzierenden Unterhaltungsindustrie des Kapitalismus, der wiederum für die Unterdrückung eines Grossteils des Volks verantwortlich sei. So kann mans natürlich auch sehen.

Unter dem Strich finde ich, dass die gegenwärtige Diskussion wichtig ist und Sinn ergibt. In den Augen der Einen gewinnt Tommy. Andere finden Knackeboul hat recht. Und Dritte – zu denen ich mich zähle – freuen sich ob des Diskurses, der letztlich ja zeigt, wie sehr sich viele um die Rapszene kümmern. Hier gehts nicht darum, wer gewinnt. Schlussendlich haben beide auf ihre Art recht – das hat auch der Schlagabtausch bei Joiz in the Hood gezeigt, wie ich finde.

Im gegenwärtigen Lärm geht zudem fast unter, dass Schweizer Rap im Jahr 2013 extrem viel Spass gemacht hat – nicht zuletzt dank Tommy Vercetti und Knackeboul.

Klingst fast wie eine Antwort auf alle Vorwürte: Knackebouls mit «Läbe mi Troum».


Das Brandhärd-Inferno am Openair Leimental

Es gibt Konzerte, bei denen passt einfach alles – vom Publikum über die Organisation bis hin zur Soundabmischung und dem Wetter. Gestern hatten wir so einen Gig am Openair Leimental in Oberwil. Baselbiet, Baby! Danke an alle die da waren, die Organisatoren, unsere treuen Feuerspucker und an die beiden Fotografen Adrian Mangold und Silenus! Sämtliche Fotos gibts auf der Brandhärd-Facebook-Site, hier meine vier Lieblingsbilder der Serie…

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Das Karohemd, das ich auf diesem Bild trage, wurde mir übrigens kurz darauf gestohlen. Wers mir zurückbringt erhält Finderlohn;)

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Public Provocations 5 – Kesse Strassenkunst aus Rom

Am Samstag war Vernissage der fünften Public Provocations in der Colab Gallery Weil am Rhein (bis April als Carhartt Gallery bekannt). Bevor es unten meinen am Freitag erschienenen Beitrag für den BaZ-Kulturblog «Schlaglicht» gibt, hier ein paar Eindrücke von Opening.

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Colab_PublicProvocations_2013_web_13«In der Nacht sprayen? Ich doch nicht – ich bin eine Frau!», sagt Alice Pasquini und lacht. Die Römer Streetart-Künstlerin zieht es vor, auch ihre unbewilligten Wandmalereien bei Tageslicht anzubringen. In Italien ist das mit etwas Erfahrung, Fingerspitzengefühl und einem chicen Auftreten kein grösseres Problem. Im Gegenteil: Es kommt immer wieder vor, dass die kesse Künstlerin bei ihrer Strassenarbeit neue Aufträge reinholt.

Dieses Wochenende ist Pasquini nicht auf den Strassen Roms, sondern in Weil am Rhein (D) unterwegs: als ausstellende Künstlerin an der «Public Provocations». Die fünfte Ausgabe der Ausstellungsreihe präsentiert ab Samstag unweit des Rheincenters zehn internationale Urban-Art-Künstler.

Vor zwei Jahren war Alice Pasquini das erste Mal in Weil am Rhein. Als Begleiterin des französischen Streetart-Stars C215 hinterliess die Römerin damals bei der Carhartt Gallery ein kunstvoll verziertes Verkehrsschild. Inzwischen heisst die auf Urbane Kunst spezialisierte Galerie Colab Gallery – und Pasquini ist nicht mehr Anhang, sondern geladene Künstlerin.

Frau mit Apfel: Pasquinis Werk in Weil am Rhein. (Foto: Jessica Stewart, RomePhotoBlog).

Frau mit Apfel: Pasquinis Werk in Weil am Rhein. (Foto: Jessica Stewart, RomePhotoBlog).

Als wir Pasquini während der Gestaltung ihrer Ausstellungskoje treffen, beschäftigt sich die Italienerin mit der Hintergrundgestaltung ihres Bildes. Es zeigt eine junge Frau mit Apfel und Blumen in den Haaren. Naturfarben wie Braun und Grün dominieren das Motiv. Dass es daherkommt, als hätte es die Patina einer kunstvoll verwitterten Statue, ist kein Zufall. Pasquini mag alte Motive: «Ich habe mich von einer amerikanischen Zeitschriften-Werbung aus dem Jahr 1902 inspirieren lassen.»

Die Römerin beschäftigt sich seit jeher mit Malerei und Bildgestaltung. Nach Abschluss der Kunsthochschule arbeitete sie als Illustratorin, was ihr aber ziemlich rasch verleidete: «Ich war gar nicht mehr am malen», erinnert sie sich. Als sie daraufhin in Madrid Freizeitparks für Kinder gestaltete und deren Begeisterung sah, realisierte Pasquini, dass sie Kunst machen will, die unmittelbar auf den Betrachter trifft. Deshalb brachte sie, die immer schon eine Affinität zur HipHop-Kultur hatte, ihre Bilder vor rund sechs Jahren auch auf die Strassen. Inzwischen blicken ihre Motive – mit Vorliebe sanfte Frauen- und Kindergesichter – an fast allen Ecken dieser Welt von den Fassaden.

pub_prov_13_plakat_webWenn Pasquini ausserhalb Italiens tagsüber ungefragt Wände umgestaltet, geht sie dabei allerdings vorsichtiger vor. Die Passanten reagieren nämlich überall anders, wie folgende Episode aus dem norwegischen Oslo zeigt: «Ich mag, was sie machen», habe da eine Frau zur malenden Pasquini gesagt, «aber jetzt mache ich ein Foto und rufe die Polizei». Kunst im öffentlichen Raum – wir reden hier nicht von Schmierereien – wird halt in gewissen Kreisen immer noch als Provokation wahrgenommen. Daran soll auch der Ausstellungsname «Public Provocations» erinnern. In Weil am Rhein wurde Pasquinis Kunst bis jetzt allerdings noch nicht als störend empfunden – im Gegenteil. Das von ihr verzierte Strassenschild wurde vor zwei Jahren nach wenigen Wochen von einem kunstaffinen Dieb abgeschraubt.

Public Provocations V, Colab Gallery (früher: Carhartt Gallery), Schusterinsel 9, Weil am Rhein. Vernissage Sa. 8. Juni ab 20 Uhr. Die Ausstellung läuft bis Oktober 2013.

Künstler: Alice Pasquini (I), Amose (F), Case (D), Chris Stain (USA), Gris1 (F), Michael Grudziecki (PL), Orticanoodles (I), Robert Proch (PL), Wolfgang Krell (D). Mehr Infos.


Meine Fasnacht 2013 in Bildern, Reimen und Videos

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Und schon ist sie wieder passé, die Basler Fasnacht 2013. Bei der onYva jagte ein Höhepunkt den nächsten und es darf getrost von einem (weiteren) legendären Jahr gesprochen werden. Hier noch ein paar Impressionen sowie – wie allewyyl – mein Zeedel.

Sujet: Dasch dr Zipfel – vyyl Lärm um Hyt

IMG_8291Hösch, Bebbi, y hoff y bi nid vorlut
Kumm, sag doch rasch: Wie heschs mit dr Vorhut?
Isch alles no draa an dyner Zipfelkappe?
Oder hesch en scho abgää, dä winzig Lappe?
Jä wäge däm Ding grad näbe dym Seggel
Gänn sich neyerdings stuuri Grind uf e Deggel
Juude und Moslem gege Aawält und Ärzt
En uuralte Bruuch wo ainigi schmärzt

Schnibb-schnabb Vorhut ab, scho gseen alli rot
Biebli ans Riebli, und das ooni Not?!
Richter in Köln sage, dass das nid goot
Juude und Moslem wänn dass mr sy loot

Es sig halt e Bruuchtum, das Schnibble am Zipfel
Drum nämme sie s cool – andri findes dr Gipfel
Die Glaine die miesste halt unverseert blyybe
Bis si son e Yygriff elai unterschryybe
Und wär widerspricht, jä dä wurd untertryybe
Wär Biebli verletzi dä haigi e Schyybe
Sy maane: Bi Binggis verstosst das geg s Grundrächt
IMG_8344Die andere glaage und saage s syg ungrächt
Und nenne drbyy iiri Freyhait vom Glaube
Und iiri Kultur wo me so wurdi raube
Die kenni me nid e so aifach beschnyyde
Das miesst me vermyyde wil d Biebli nid lyyde
E Schnittli in Eere, e Zipfel fir Gott
Was d Gschicht ys kennt leere, das ka kai Verbott
So strytte sy flyssig um s Wool vo de Glaine
Die Froog bewegt d Wält, das kennt me fascht maine
Vyyl scheener isch doch, näbe jeedere Mainig
D Juude und d Moslem sinn sich emol ainig!

Im Kaffi vom Heidi gits haissi Debatte
Die ainti will ganz klar e Kappe fir d Latte
Jä nid so bim Vrony, die will unden ooni
Das sygi en Yygriff wo sich fir sy looni
Dr Walti vom Stammtisch grad näbe däm Gränzli
Hett mitgloost und dänggt sich: das wärs doch firs Schwänzli!
IMG_8292Är seggled zem Doggter und sait em denn ghetzt
Y will unters s Mässer – mach «Free Willy» jetzt!

Dr Limmel liggt schlaff und entschpannt uf em Schraage
E Lampe, wo bländet, e fuuls Gfyyl im Maage
Mit naggige Lände – kenntsch aagnäämer warte
E Schweschter wo läched, me wurdi grad starte
Denn Dupfer, Skalpell – jä, s isch langsam Zyt
Aber dr Doggter sig noonig so wyt
Är stoot numme do und zittered blaich
Dr Walti, nervöös, dänggt: mach mr kai Saich!
E Pfyffli wie dä sell mi Zipfel rasiere?
Drbyy kennt deert unde jo so vyyl passiere!
Dr Doggter sait duuch, und hyylt drbyy fascht
Das Uurdail us Köln sig fir iin Balascht
So dass är kai Aichle me stutzt an däm Mascht
Är wurdi jo gärn – aber will nid in Knascht
Dr Walti liggt do und ka numme lache
Und dänggt: hätt-y das doch als Kind scho lo mache

Mehr zur Clique gibts unter www.onyvabasel.ch. Hier zudem noch die Morgestraich-Artikel über onYva auf Bazonline und bei der bz.

PS: Am Zyschtig war natürlich einmal mehr Schabernack mit dem Neyen Zyschtigs Ziigli NZZ angesagt. Einer der Höhepunkte: Das Rollator-Rennen am Spalenberg…

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Edutainment: Kaufen für die Müllhalde (ARTE-Dok)

Wer hätte das gedacht! Es gibt sie noch, die interessanten, packenden und aufrüttelnden TV-Formate: «Kaufen für die Müllhalde» ein ARTE-Dokumentarfilm über das bewusst vom Hersteller inszenierte Verfallsdatum von an sich noch brauchbaren Produkten (passt irgendwie zu meinem iToast). Reingezappt und hängen geblieben… Hier gibts den Film in HD und voller Länge:

Infotext zum Film: Glühbirnen, Nylonstrümpfe, Drucker, Mobiltelefone — bei den meisten dieser Produkte ist das Abnutzungsdatum bereits geplant. Die Verbraucher sollen veranlasst werden, lieber einen neuen Artikel zu kaufen, als den defekten reparieren zu lassen. (mehr …)


Mein Lieblingsgeschenk – der iToast

Mein Weihnachtswunder! Just am Weihnachtsabend bekam ich meinen allerersten iPod zurück. Ich hatte ihn zwar nicht wirklich vermisst, doch für die Qualität unserer Toastscheiben ist es wohl besser, wenn das Ding nicht mehr da drinn liegt. Wie das Teil da reinkam? Da müsst Ihr mein Töchterchen fragen…