Archiv für Oktober, 2010

Smalltalk für Wein, scheinbar musses sein…

Für einen Blitzbesuch waren die eineinhalb Stunden an der Basler Weinmesse ziemlich ergiebig: Gefühlte sieben Hektoliter Wein im Bauch, ein dusseliges Gefühl im Kopf und drei Kartons Britto Superiore DOC 2006 aus Kalabrien in freudiger Erwartung. Dabei begann der Weinabend mit dem Tiefpunkt: Nach dem Whisky-Appetizer ging es straight zum Stand des Weindealers, dem ich die Gratis-Eintritte zu verdanken hatte. Schliesslich will man sich ja loyal zeigen. Dummerweise gerieten ich und mein TripleNine-Kumpel M.F. an besagtem Stand an den wohl schlecht gelauntesten Ausschenker des Universums. Mit dem Charme eines Wein-Spucknapfes schüttete er uns zuerst einen österreichischen Weissen ins Glas, dann folgte ein Roter, ebenfalls aus dem Land des fliegenden roten Bullen. Beide Weine schmeckten schrecklich. Uääääh. Nixx wie weg.

Eines der Hauptprobleme an Weinmessen ist der standesgemässe Abgang nach der Degustation. Einfach weglaufen geht ja nicht (ausser beim oben genannten Stand). Und Einkaufen kann man ja auch nicht an jeder Trinkstation. Den besten Weg wählten wir wohl nach Stand Nummer zwei, an dem wir unsere geschundenen Kehlen mit zwei hervorragenden Amarone (einen Il Roverone und v.a. einen Begali, beide 2005) besänftigt hatten: «Den Wein merken wir uns…bis später», bekam die reife Dame hinter dem Tresen zu hören. Und weg waren wir. Ohne schlechtes Gewissen. Denn «merken» werden wir uns die beiden Tropfen schon…aber für den Einkauf war der Saft mindestens 15 Franken zu teuer.

Weiter zu den Wallissern, bzw. zu den Wallisserinnen am Stand der Johanniterkellerei. Pinot Noir und Syrah standen bereit, gekeltert in Salgesch, wo laut den beiden Damen das halbe Dorf Weintrauben anbaut. Der Kumpel spielt sich sogleich auf: «Hä, bei euch im Wallis sind doch alle Weine mit Frostschutzmittel gestreckt!» Ein Gentleman eben. Nach einem Lächeln und ein paar versöhnlichen Worten lassen sie uns dennoch an die Kelche. «Das ist aber ein untypischer Pinot Noir», erklingts zu meiner Linken. Die Wallisserin lächelt müde: «Das ist aber ein absolut typischer Pinot». Achso. Nun weiss ich, warum ich meine Gutachten (vorerst) nur in «gut» und «schlecht» abgebe. Blumige Worte kann ich besser im Rap einsetzen. Beide Weine, Pinot und Syrah, waren ganz ok…aber ebä. Wegen solchen Tropfen geht man nicht an eine Weinmesse. Also weiter.

Die dritte Station sollte es in sich haben – deshalb wurde sie auch zu unserer Endstation. Am Räber-Tresen kam zusammen, was bei den Vorgängern fehlte: Eine sympathische, eloquente, ja fast schon witzige Bedienung…und gute Weine. Also tranken wir uns in schwindelerregendem Tempo durch das gesamte kalabrische Rotweinsortiment: Amanizo Calabria IGT, Colle Barabba DOC und Britto Superiore DOC. Von Letzterem wurden schliesslich drei Kisten bestellt. Zum finalen Gnadenstoss gabs zwei Barolo. Guet Nacht.

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Shift – Bits, Bytes und Beats auf dem Dreispitz

Achtung! Das neue Trend-Areal am südöstlichen Zipfel von Basel ist dieses Wochenende fest in der Hand der elektronischen Künste: Zum vierten Mal findet dort nämlich das Shift-Festival statt. Neben Kunst gibts auch Konzerte. Letztere werden u.a. durch Elektromaster an solchen Geräten mit Bildern untermauert (sorry für die Handy-Fotos!)…

Die fiependen Dinger sollen Gerüchten zufolge fast so alt sein wie die Gesichtfalten von Keith Richards. Doch im Gegensatz zu den lumpigen Hautrillen des Rockstars, sind diese Gerätschaften – dank dem Einsatz der Restauratoren – noch zu gebrauchen…

Falls bei Euch nun Nostalgie aufkommt, haben die Shift-Macher eines ihrer Ziele erreicht: Das Motto (oder sagt man Sujet? …Fasnacht oder Streetparade?) des diesjährigen Festivals lautet nämlich «Lost & Found» (definitiv besser als die Streetparade-‚Sujets‘). Besonders passend dazu ist, wie ich finde, die Installation (heisst doch so, oder?) von Harold Schellinx. Der Tulpensohn aus Cholland angelt nämlich weggeworfene Musikkassetten aus europas Strassenrändern und macht daraus audiovisuelle Kunstwerke. Ich Depp habe dämlicherweise nur den Wand-Spruch zur Kassettli-Kunst geföttelet. Das liegt wohl an meiner Vorliebe für Fassadenschmierereien…

Ebenfalls ziemlich cool ist dieses Werk von Gijs Gieskes

Auch Gieskes entstammt dem Land, dem wir Sylvie van der Vaart zu verdanken haben. Im Gegensatz zur Fussballergattin haben seine Spielzeuge aber mehr als zwei Knöpfe. Was er genau zu seinen Werken zu sagen hat – und noch viel mehr – erfahrt ihr auf www.bazonline.ch, dem besten Newsportal der Region (Region = Schweiz). Länggt das fyrs Erschti?


Brandhärd an der allerersten «Primetime Show»

Donnerstag, 20 Uhr, das ist Primetime. Logisch…dann läuft nämlich unsere Radiosendung Bounce. Seit letzter Woche haben wir aber Konkurrenz aus der Heimatstadt…Joey von Mutzenbechers Primetime Show hatte nämlich Première. Mit dabei: Brandhärd, die neuerdings an jeder Hundsverlochete anzutreffen sind…

Props gehen an unseren Homie -minu…Du hast allen die Show gestohlen. Wenn Du vierzig Jahre jünger wärst, würden die Kids heute Deine Raptexte feiern.


Zolli vs. Kuppel – Es könnte doch so einfach sein

Kampf um die Kultur im Nachtigallenwäldeli: Das Kult-Lokal Kuppel will dort einen Neubau mit Bandräumen realisieren. Der Zolli möchte bis zur Heuwaage expandieren – und zwar ohne, dass die Kuppel im Weg steht. Das finden zumindest einige (gutbetuchte) Zolli-Gönner, wie heute der BaZ zu entnehmen ist. Die Kuppel könne schliesslich – im Gegensatz zum Zolli – auch wo anders weiterbestehen, so ihr Argument. Die beste Idee wäre meiner Meinung nach folgende: Die Kuppel kommt künftig im gigantischen Ozeanium unter, das der Zolli auf der Heuwaage plant. Der Nutzen beider Seiten ist offensichtlich: Der Zolli hat den Weg frei zur Heuwaage und die Kuppel hätte eine einzigartige Aquarium-Kulisse, um Parties und Konzerte durchzuführen. Tanzen unter einer Glas-Kuppel inmitten von Stachelrochen und Haifischen – das wärs doch!
Schade, wird diese Idee wohl von keiner Seite ernsthaft geprüft werden. Aber träumen darf man ja noch. Ich habe Verständnis für beide Seiten: Also Rapper und Party-Pate (Sneakerbox in der Kuppel) habe ich natürlich grosse Sympathie für die Kuppel; ein solches Lokal hat Basel dringend nötig – und zwar im Zentrum! Als Familienvater und Zolli-Freund fände ich aber auch eine Zoo-Expansion in Richtung Innenstadt geil. Warum also nicht das Eine mit dem Anderen verbinden? Irgendwie wird man ja wohl aneinander vorbeikommen. Seid kreativ, liebe Planer!

Edit: Ich weiss nicht so recht, was ich vom millionenschwerem Zolli-Gönner Matthias Eckenstein halten soll. Einerseits finanziert er mit seiner Stiftung im Alleingang die neue Affenanlage, was ich natürlich sensationell finde. Danke! Andererseits scheint sich der betagte Herr einen Spass daraus zu machen, weit fortgeschrittene Bauprojekte im (zweit)letzten Moment mit seinen Ideen und seinem Geld zu gefährden. Oder zumindest durcheinander zu bringen. Beim Kunstmuseum-Anbau war das so. Und nun bringt er Unruhe ins Nachtigallenwäldeli. Da gäbe es wohl auch taktvollere Interventionsmöglichkeiten.


Mein neues Lieblingsschaufenster im Kleinbasel

Endlich habe ich ein Geschäft gefunden, dass meine sado-masochistischen Bedürfnisse voll und ganz befriedigt. Endlich muss ich nicht mehr minderwertige Latex-Schläuche anonym im Internet kaufen. Endlich muss ich keine Taucheranzüge mehr umschneidern lassen. Dank diesem Bijou im Kleinbasel…

Zu finden ist das Schaufenster-Highlight in der Klingentalstrasse. Vis-à-vis vom Legendären Häbse-Theater, wo Brandhärd gestern zu Premièren-Gast war bei der Primetime Show von und mit Joey von Mutzenbecher. Ich weiss gar nicht mehr, wann wir zuletzt vor sitzendem Publikum aufgetreten sind. Nett war insbesondere der Talk nach dem Blitzauftritt…mit einem -minu in Bestform

Härd-DJ Johny Holiday ist übrigens das offizielle «Orchester» dieser einmaligen Show, die am 18. November zum nächsten Mal über die Häbse-Bühne geht. Ein Pflichtbesuch für die Basler Schickeria! Das Kurz-Video zum Abend gibts noch an diesem Wochenende – hier natürlich.


Das digitale Dilemma

Kann man schon vor einem Einkauf unzufrieden sein? Ja! Ich jedenfalls schaffe das immer wieder aufs Neue – nämlich, wenn es um technische Neuanschaffungen geht. Konkret: um Smartphones und Digitalkameras. Noch konkreter: das iPhone 4 und die Canon EOS 60D. Die da…

Aus meiner Studienzeit kenne ich noch den Begriff der Nachkaufdissonanz (auch Kaufreue genannt). Das Wort beschreibt – grob gesagt – das flaue Gefühl der Unsicherheit nach dem Einkauf (hab ich das Richtige gekauft?). Im schlechtesten Fall verdichtet sich diese Vorahnung zur Unzufriedenheit (Scheisse, das war ein Griff ins Klo!). Ich habe dieses Gefühl jeweils schon vor dem Kauf. Eine Vorkaufdissonanz sozusagen. Toll, oder? Das perfekte Konsum-Opfer: immer unzufrieden, stets nach dem Besseren strebend, im Zweifelsfall das teurere, neuere Produkt kaufend.

Der Zugriff auf die Beute erfolgt aber erst, nachdem ich das Objekt der Begierde ausgiebig gegoogelt habe und die Preise beim Fachhändler und beim Elektro-Discounter verglichen habe. Dumm nur, dass die Infos mich meist zusätzlich verunsichern. Je mehr ich weiss, desto unsicherer bin ich. Desto weniger weiss ich – das ist Fetch-Logik. Das digitale Dilemma lastet dann doppelt auf mir und es bleiben zwei Fragen: Habe ich das richtige Gerät im Visier (in einem halben Jahr ist das Teil ja schon wieder veraltet)? Und: Liegen all die Internet-(Pseudo)-Experten mit ihrer Kritik an meinem Fast-Schon-Schätzeli richtig?

Zum Glück (der Händler…ob es auch mein Glück ist, wird sich noch zeigen) habe ich meine dissonanten Wallungen überwunden, bzw. unterdrückt, und zugegriffen. Die Canon EOS 60D ist nun die Meine. Vor allem das Dreh-Display dürfte mir noch viel Freude bereiten. Nun darf ich nur folgende zwei Fehler nicht begehen: a) Die Preisentwicklung der kommenden Monate verfolgen und b) auf die Netzkritiker hören. Es hat sich nämlich herauskristallisiert, dass die meisten Nörgler selber mit besseren und teueren Cams (also mit noch längeren Schwänzen) fotografieren und die neue Canon noch nie in ihren Händen hatten – im Gegensatz zu mir. Ha!

Einen umfassenden Einblick zur 60D gibts bei dpreview.com. Und die putzigen Jungs von DigitalRev haben dazu ein lustiges Test-Video gemacht, in dem die 60D mit dem kleinen Canon-Bruder, der EOS 550D, und der grossen Schwester, der EOS 7D, verglichen wird.

Das tolle an der Vorkaufdissonanz, die mich immer wieder fast zum Wahnsinn treibt, ist, dass die Nachkaufdissonanz um so schwächer ausfällt. Immerhin.

Ach ja…das iPhone 4 hab ich mir auch gezogen. Auch dieses Gadget gefällt bis jetzt – ausser, dass ich mit meinem Ohr (ist das so gross?) beim Telefonieren immer wieder die FaceTime-Funktion aktiviere.


Lustvolles Leiden für einen epochalen Abend

So, nach zwei Tagen hab ich den Samstag langsam verdaut…das Lächeln ist mir aber noch immer nicht von den Lippen gewichen. Dabei sah es um meine Gemütslage bis vor Kurzem noch ganz anders aus: Tausende kleine Tode bin ich in den Tagen – vor allem aber in den Stunden – vor der Blackbox-Plattenataufe gestorben. Wie bei jedem Basler-Konzert stieg meine Anspannung vor dem Heimspiel in der Kaserne (Bilder hier, Videos hier und hier) ins Unermessliche. Schweissausbrüche, Übelkeit, Tunnelblick und Herzrasen – das sind die Zutaten eines epochalen Konzerts, wie es die Taufe im Rossstall nun geworden ist.

Ohne Nervosität kein gutes Konzert. So einfach ist das. Und da ich dies inzwischen weiss, kann ich meinen Schüben vor den Heimkonzerten immer auch etwas Gutes abgewinnen (auswärts bin ich natürlich auch nervös, aber nie und nimmer in dem Mass). Dieses Wissen hilft jedoch in keinster Weise, das Leiden zu mindern…das würde ja an Bschiss grenzen.

Besonders schätze ich vor solchen Shows natürlich die Frage «Bisch nervös?», dutzendfach gestellt von Leuten, die es ja nur gut meinen. Wegen ihrer hehren Absichten werden diese von mir deshalb in diesem Augenblick auch nicht auf den Mond geschossen. Und das Leiden hat sich gelohnt: Der Pein (Musiker sind nämlich alles Masochisten) wurde nämlich um das Hundertfache kompensiert von der überwältigenden Resonanz des Publikums im ausverkauften Rossstall der Kaserne (nächstes Mal bekommen wir hoffentlich wieder die grössere Reithalle…gopf; es darf nicht sein, dass nicht alle mit uns festen können, nur weil vier Wände zu nahe beieinander stehen).

Danke Euch allen für die Unterstützung. Die Schreie, die Zurufe, die Hände in der Luft…einfach für alles. Ihr habt uns überwältigt! Glaubt mir…dieses Mal lassen wir keine drei Jahre mehr verstreichen bis zum nächsten Album, bzw. bis zur nächsten Taufe. Auf der Brandhärd-Facebook-Seite gibts die Bilder zu dieser denkwürdigen Nacht in der Kaserne.

Ebenfalls einmalig war zudem das Kinder-Konzert zwischen Soundcheck und Plattentaufe: 120 kreischende Kids im Alter von 9 bis 12 Jahren haben uns 30 Minuten ihre Aufmerksamkeit und ihren Übermut geschenkt. Und uns mit Fragen gelöchert wie: «Was ist euer Sternzeichen?», «Wo kann ich ein Mikrophon kaufen?» oder (mein Favorit;) «Bisch au Albaner?». Einmalig dieses Erlebnis. Mein Dankeschön geht an den Rockförderverein (RFV) und die Kaserne Basel für die Lancierung dieses tollen Projektes, an Black Tiger für die historische Einführung und an die Lehrer, die ihre Schüler an einem Freien Nachmittag für so etwas mobilisieren. Hier – zum Abschluss – der Artikel aus der Basellandschaftlichen Zeitung dazu…

PS: Brandhärd ist zusammen mit vier weiteren Bands/Künstlern für den 2. Basler Pop-Preis nominiert worden. Hier gehts zum Voting des Publikumpreises (der Stutz wird von der Jury vergeben).