Archiv für April, 2010

Kongo, die «Hauptstadt» der Vergewaltiger?

«Kongo ist die Hauptstadt der Vergewaltiger», zitierten kürzlich diverse OnlineMedien die UNO-Sondergesandte Margot Wallström (oder genauer ausgedrückt: Die Schweizer Depeschenagentur SDA hat Wallström zitiert und die Online-Portale machten eine reisserische Headline daraus – leider jedoch ohne weitere Hintergründe (im Gg.satz zu Spiegel.de, wo es gleich ein ganzes Dossier zum Thema gibt). Frauen seien nachts nicht mal in ihren eigenen Betten sicher. Zudem würden gemäss UNHCR durchschnittlich 14 Frauen pro Tag sexuell bedrängt. Seit Jahresbeginn gebe es über 1200 Opfer.

Das mag alles stimmen. Ich befürchte allerdings, dass die Situation im Kongo weitaus schlimmer ist. 14 Belästigungen bei rund 67 Millionen Einwohnern erscheint mir irgendwie wenig. Wahrscheinlich wurden/werden hier bloss die gemeldeten Vorfälle gezählt. Was wirklich schockieren sollte, ist die vermutlich ohnmächtig hohe Dunkelziffer.

Denn obwohl der Zweite Kongo-Krieg (der schlimmste seit dem 2. WK) 2003 offiziell beendet wurde, schwelt um Osten Kongos ein fieser Konflikt weiter: der Kivu-Krieg. Fies vor allem, weil auch in diesem Krieg die systematische, massenhafte Vergewaltigung zum ‚daily business‘ der Kriegsparteien gehört (Spiegel: «eine traurige Kriegstradition»). Dörfer werden überfallen, Häuser und Hütten zerstört, Frauen massenhaft entführt und vergewaltigt. Kinder werden zu Waisen gemacht und anschliessend zu Kindersoldaten, die im Extremfall wiederum andere Kinder zu Waisen machen (müssen). Neu werden nun gemäss dem Spiegel auch Männer zur «doppelten Bestrafung» vergewaltigt – notabene von anderen Männern.

Es ist gut und wichtig, dass von Margot Wallström wieder einmal auf die Misere und den täglichen Terror in Kongo aufmerksam gemacht wurde/wird (das ist ja die Aufgabe eines UNO-Sondergesandten). Nur wird aber – zumindest im vorliegenden Beispiel – ausser Acht gelassen, dass die Situation in Kongo wesentlich schlimmer ist, als dargestellt (wohl eher von Seite der Medien, als von der UNO-Seite).

Zum Abschluss der Grand-Kalle-Song «Independence Cha Cha» zur Unabgängigkeit des Kongo (von Belgien) aus dem Jahr 1960 (via Contextlink).

Warum ich mich eigentlich für den Kongo – beziehungsweise Afrika – interessiere? Nun ja, seit ich mich für die ’schwarze‘  HipHop-Kultur begeistere, bewegt mich das Schicksal der Afroamerikaner und – als weiterer Schritt zurück – das von Afrika. Empathie durch Rap. Gibts das heute noch? Interessieren sich heute Schweizer Mittelstandskids, die Bushido hören, für das Schicksal der Migranten aus dem Maghreb? Oder für die Bootsflüchtlinge auf dem Mittelmeer, die mit ein bisschen Glück auch zu einem ihrer Rapvorbilder hätten emporsteigen können?

Ach ja, und dass in Bezug auf das 67-Millionen-Land Kongo der Ausdruck «Hauptstadt der Vergewaltiger» irgendwie bekloppt tönt, sollte hoffentlich klar sein. Wenn schon, sollte es «Hauptstaat der Vergewaltiger» heissen…aber auch das würde zu stark nach Sensationsjournalismus riechen. Hier noch ein paar interessante Blog-Beiträge rund um den Kongo. Puh.

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Diesmal ist mir der Mond entkommen…

…dennoch gabs zwei einigermassen akzeptable Nachtbilder. Ich wusste gar nicht, dass der Mond so schnell untergehen kann. Der hat wohl gemerkt, dass ich ihn ablichten will und sich hinter die Wolken verzogen.


Stylisches von der «Blickfang»

Endlich! Alle meine Texte fürs Brandhärd-Album (VÖ 4. Juni) sind im Kasten. Nun kann ich in Ruhe das vergangene Wochenende aufarbeiten. Genauer: Die Designmesse Blickfang, welche nach Tokyo, Zürich, Stuttgart und Wien nun zum ersten Mal in Basel gastierte – eine echte Bereicherung. Hier eine Auswahl der Objekte, die mir beim Rundgang in der gut gefüllten E-Halle (erstaunlich viele junge Eltern!) ins Auge sprangen…

Killer, diese Sonnenbrille am Stand von Ramstein Optik. Höchste Zeit, dass ich mir wieder Kontaktlinsen besorge (oder zahlt mir jemand eine Laser-OP?), damit ich wieder Sunglasses rocken kann.

Ein Steinwurf entfernt zu finden: Die passenden Relax-Liegen fürs Sonnenbaden. Erschaffen von Alexander Curtius, der übrigens auch Kurse anbietet, damit sich Interessierte die eigene Liege schnitzen können…

Besonders fresh: Diese drahtlosen Parrot-Zikmu-Lautsprecher mit 360° Sound und iPod-Slot! Für 1300 Euro gehört Dir die Box…

Bemerkenswert auch die Vitrine hinter der Theke von hauswein.ch

Und noch bemerkenswerter: Hauswein.ch ist einer Basler Firma, die ausgewählte Weine der mittleren Preisklasse in einer stylischen «Bag-In-Box» (Inhalt: 3 Liter) per Online-Shop verkauft. Geniale Idee! Ich bin gespannt auf den Syrah, den ich bestellt habe.

Nette Rollmöbel machen sie in der Schreinerei Spicher aus Brugg – für läppische 1750 Franken…

Lieber Stroh auf dem Kopf als drinn: Die Caps von Le Tom

Weitere Eindrücke von der Blickfang…ohne Worte…

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Die iBar…oder: Warum die Scrucialists einen neuen Keyboarder haben

Was treibt eigentlich der ehemalige Scrucialists-Keyboarder «Hengge»? Der Herr lebt – und vor allem: arbeitet – inzwischen in London. Der Grund: Er hat die iBar mitentwickelt («Die iBar ist das System für die interaktive Gestaltung eines Bar-Tresen») und diese hat offensichtlich eingeschlagen wie eine Bombe.

Das Ganze ist zwar keine taufrische Story mehr, aber immer noch erwähnenswert wie ich finde. Hengge hatte übrigens einen nicht unwesentlichen Einfluss auf die Bandgeschichte von Brandhärd: Der Herr hat Fierce 1996 die ersten Beat-Produzier-Schritte beigebracht…der Rest ist Geschichte. Unvergessen zudem die Härd-Tafs-Scrucialists-Tour im 2004. Auf diesem Weg: Alles Gute Hengge – ich hoff man sieht sich wieder Mal auf einer Bühne.


Guru (Gang Starr) – Eine der charismatischsten Rapstimmen ist verstummt

Kaum haben sich die Wogen um den Gesundheitszustand von Guru (aka Gifted Unlimited Rhymes Universal) einigermassen geglättet – die Gang-Starr-Legende lag nach einem Herzinfarkt im Koma, schien aber auf dem Weg der Besserung –, ist nun das Worst-Case-Szenario eingetreten: Keith Elam, wie der Rapper aus Boston bürgerlich heisst, ist am 19. April gestorben. Der 43-jährige verlor den Kampf gegen den Krebs, angeblich besteht kein Zusammenhang zum Herzinfarkt.

Die HipHop- und Musikszene hat einen ihrer ganz Grossen verloren. Ein kompletter Mcee, der in meinen Augen den Spagat zwischen Strassen- und Conscious-Texten (diese doofen Schubladisierungen!;) ideal vollzogen hat: Clevere Texte, ohne lehrmeisterlich zu klingen, immer mit der nötigen Portion Strassenweisheit (Code Of The Streets) – und meist mit den treffenden Emotionen (Moment Of Truth).

Voller Wehmut erinnere ich mich an Gurus Besuch (mit Solar) bei uns im Bounce-Studio auf dem Bruderholz, als er DJ Johny Holiday mitten im Interview darum bat, den Beat aufzudrehen, um dann spontan zu spitten (hier zu hören). Auch das abendliche Konzert (Ende 2005 ?) im Sommercasino ist mir noch in allerbester Erinnerung: Ein gutgelaunter Guru in Hochform reiht Hit an Hit und gibt sich absolut publikumsnah.

Schade, hat sich Guru im Schlepptau von ‚Superproducer‘ Solar nicht mehr mit DJ Premier versöhnt – aber wer weiss schon, was da hinter den Kulissen abgelaufen ist. Bin ich ein schlechter Guru-Fan, wenn die jüngsten Releases mit Solar weitestgehend spurlos an mir vorbeigegangen sind?

Gang Starr – Code Of The Streets

Gang Starr – Moment Of Truth

They say it’s lonely at the top, in whatever you do.
You always gotta watch motherfuckers around you.
Nobody’s invincible, no plan is foolproof.
We all must meet our moment of truth.

Unvergessen auch, der Gang-Starr-Auftritt vom Splash!-Festival 2003: Das Traumduo des HipHop bei Sonnenuntergang auf der Hauptbühne am See – Hühnerhautfeeling, nicht nur beim Zurückdenken, sondern auch damals. Guru, Du bist zwar verstummt, aber nicht vergessen. R.I.P.


Ein perfekter Tag für ein Fotoshooting

Es war ein perfekter Sonntag: Das Brandhärd-Fotoshooting (Album-Release ist der 4. Juni!) lief perfekt, der FC Basel bodigt Luzern 5:0 und übernimmt die Tabellenspitze – und YB lässt sich in Sion abschlachten. Peng! So schön wars am Rhein entlang…

Wenn weisse Schwäne schwarz erscheinen…


Podcast & Playlist: CanavaR bei Bounce

Übersetzt heisst «CanavaR» eigentlich «die Bestie». Auf seiner neuen EP präsentiert sich CanavaR aber lieber als «Diin Lieblingstürgg». Bei Bounce erklärte der sympathische Rapper aus Wetzikon, dass ihm seine Schweizer Gym-Freunde den Namen gegeben haben. Eigentlich aber könne jeder Türke «Diin Lieblingstürgg» sein…sofern sich die Schweizer auch auf diese Einlassen. Hier gibts die gesamte Sendung inkl. Interview als Podcast zum download. Weiter zur Playliste…

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